Pflanzenkraft gegen Multiple Sklerose

Naturheilkunde

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Direkt mit Veilchen lässt sich Multiple Sklerose natürlich nicht behandeln. Aber die Pflanzen enthalten einen vielversprechenden Wirkstoff, der – leicht verändert – die Krankheit bei Tieren aufhalten konnte. (© tsach/fotolia)

(14.06.2016) Der Schlagersänger Howard Carpendale hat die Krankheit und auch die Rheinland-Pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Rund 130.000 Menschen in Deutschland leiden unter Multipler Sklerose oder kurz MS, einer chronisch- entzündlichen Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei greift ein bestimmter Zelltyp weißer Blutkörperchen, die T-Zellen, die Isolierschicht der Nervenzellen an und zerstört sie.

Die Krankheit mit vielen Gesichtern

„Oft macht sich die Krankheit zu Beginn mit Tast- und Sehstörungen bemerkbar. Später kommen Gangstörungen aufgrund von Krämpfen oder Kraftlosigkeit dazu“, sagt Dr. Carsten Gründemann. Der Biologe leitet die Arbeitsgruppe Naturheilkunde am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg und beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Einfluss unterschiedlicher Pflanzenstoffe auf das Immunsystem.

Je nachdem, welcher Bereich des Nervensystems besonders betroffen ist, machen sich unterschiedliche Symptome bemerkbar. Darum wird MS auch als „die Krankheit mit vielen Gesichtern“ bezeichnet.Typisch für den Verlauf der Erkrankung ist, dass die Verschlechterung schubweise auftritt. Zwar gibt es mittlerweile einige Ansätze zur Behandlung von Multipler Sklerose, heilen lässt sich die Krankheit bislang aber nicht.

Traditionelle Medizin kombiniert mit modernster Medikamentenentwicklung

Doch ein neuer therapeutischer Ansatz macht Betroffenen große Hoffnung. Zyklotid heißt der ringförmig aufgebaute Wirkstoff, der sich aus Pflanzen wie Kaffee, Kürbis und vor allem Veilchengewächsen isolieren lässt. „In der traditionellen Medizin werden schon seit jeher entsprechende Pflanzenextrakte bei Gelenkbeschwerden eingesetzt. Wie diese wirken, war aber lange nicht bekannt“, sagt Dr. Gründemann. Vor wenigen Jahren beschrieb der Biologe dann gemeinsam mit Wissenschaftlern um Dr. Christian Gruber von der Medizinischen Universität Wien erstmals, dass Zyklotid die Bildung von T-Zellen stoppt und damit überschießende Immunreaktionen aufhält.

Im Labor baute das Wissenschaftlerteam um Dr. Gründemann und Dr. Gruber das Molekül nach und testete den Einfluss auf das Immunsystem. „Das natürliche Zyklotid allein ist bei lokaler Anwendung wirksam, aber zur Therapie von Multipler Sklerose bei Weitem nicht ausreichend. Deshalb haben wir das Molekül im Labor noch etwas verändert und konnten so seine Wirkstärke deutlich steigern“, sagt Dr. Gründemann.

Der neue Wirkstoff wirkt schnell und gut

Nachdem der Wirkstoff im Labor bei Zellen sehr gut wirkte, untersuchte das Forscherteam gemeinsam mit Kollegen aus Österreich, Australien und Schweden, ob es auch bei Mäusen mit MS den gewünschten Erfolg zeigte. „Schon nach einmaliger Gabe des Wirkstoffs verbesserten sich die Symptome deutlich“, sagt Dr. Gründemann erfreut. Außerdem wirkte die Substanz bereits sehr früh in der Erkrankung, wenn erste neurologische Störungen auftraten. „Möglicherweise können wir so die zeitlichen Abstände zwischen den Schüben vergrößern oder die Erkrankung sogar vollständig aufhalten“, hofft der Biologe.

Klinische Untersuchungen folgen

Auf Basis dieser vielversprechenden Untersuchungen bei Mäusen muss nun die Wirkung und Sicherheit von Zyklotid auch bei Menschen nachgewiesen werden. In einem ersten Schritt ließen sich die Freiburger und österreichischen Wissenschaftler diese Anwendung gemeinsam patentieren. Mittlerweile wurde eine Lizenz zur weiteren Entwicklung dieses Medikaments an die schwedische Firma Cyxone vergeben. Erste Untersuchungen an Patienten sind in etwa zwei Jahren geplant. Für Patienten kann das eine lange Zeit sein, aber es ist ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Multiple Sklerose.

Weitere Informationen:
Grundlagenforschung der Arbeitsgruppe für Naturheilkunde

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